Montag, 8. Juni 2009

Angekommen in Bocas del Toro

Ab Montag bin ich schon eine Woche in Panama. Langsam fange ich auch an, mich an das Klima zu gewöhnen, denke ich. Denn das war der größte Schock, den ich nach meiner Ankunft erlebte. Ich fand das Klima in New York, besonders an den Tagen, an den es nicht mega Sonnig war, recht schwül. Das sagte man mir auch, das die Luftfeuchtigkeit dort recht hoch sei und es besonders im Juli und so recht unerträglich wird. Als ich den klimatisierten Bereich des Flughafens in Panama City verlaß, dachte ich, ich trete in eine Wand und sei irgendwo in der Dampfsauna gelandet. Das war eine Luftfeuchtigkeit. Ich habe quasi gefühlt, wie anfange zu schimmeln, wenn ich mich nicht in Bewegung halte. Zum Glück war der Aufenthalt in der Stadt nur von kurzer Dauer. Ich bin gegen Zehn gelandet und habe am nächsten morgen um kurz vor Sieben den Bus genommen. Diese Reise war dann leider weniger entspannt. Über acht Stunden in dem einen Bus, wo ich schönem Stereo Sound, einerseits schmalzige Latino Mucke vom Fahrer hören durfte und andererseits den Ton von irgendeineim super-schlechten Action Film, wo ich den Fernseher nicht sehen konnte. Ab und zu kam von der Decke noch das Wasser der Klimaanlage gelaufen und von der Bordtoilette wehten seichte Schwaden rüber. Lecker. Ein kleiner großer Kulturschock, aber ich habs überstanden. Nach der Ankunft bin ich dann in einen kleineren Bus umgestiegen und noch mal ca. 4 Stunden gefahren, um dann in Taxi umzusteigen, dass mich zum Wassertaxi brachte, dass mich auf die Insel brachte. Dort wurde ich gleich empfangen und weiter ging es noch Mal eine 3/4h über Stock und Stein bis zum Haus. Gegen Acht oder so war ich dann endlich angekommen. Das letzte Mal, dass ich hier war ist fünf Monate her. Aber es war trotzdem so ein wenig wie nach Hause kommen. Ich kannte die ganzen Straßen noch (Es gibt vielleicht drei oder vier), die Läden und so einzelne kleinere Sachen.
Am nächsten Tag wurde ich das Haus eingeführt. Der Strom kommt komplett von der Sonne und das Wasser komplett vom Himmel. Da die Batterien zum speichern der Solarenergie so lala sind muss ich immer im Auge haben, wieviel Energie gerade ankommt, was ich verbrauchen kann und wann ich den Kühlschrank losstöpseln muss, damit ich noch duschen kann (Die Wasserpumpe braucht ja auch Strom). Ich bin mal gespannt, ob ich das hinbekomme. Irgendwie ist die ganze Technik um die Solaranlage nicht ganz so einfach. Ich hab es mir aber alles schön aufgeschrieben, auch wie ich zur Not den Generator anbekomme. Ich wurde außerdem noch in den Quod eingeführt und wie ich mich um die beiden Katzen und den Hund zu kümmern habe. Die Katze habe ich mir mit vielen Leckerlis bereits erkauft. Der Hund hat mich heut gebissen (nicht schlimm), als ich ihm zu nahe gekommen bin. Er hat mir die Schuld gegeben, dass sein Herrchen weg ist. Aber den werde ich mir auch noch mit Knochen und anderen Treats erkaufen.
Gestern war ich den ersten Abend alleine. Da ich mitten im Dschungel bin und ca. 200m vom Meer weg, kann aber nicht gerade sagen, dass ich in der Stille untergegangen bin. Nach dem abendlichen Regen (aber auch sonst) ist es so laut, dass das ganze Viehzeugs was hier so kreucht und fleucht locker mit der Hauptstraßen – Kreuzung mithalten kann. Manchmal sind die Grillen so laut, dass ich mich schon gefragt habe, ob es eventuell übertrieben ist, mir Oropax in die Ohren zu stopfen. Da das Haus total offen ist, könnte ich auch mit nem Zelt mitten im Wald liegen, der Unterschied wäre nicht groß. Entgegen aller Erwartungen werde ich glücklicherweise noch nicht bei lebendigem Leibe von den Mücken verspeist (Limonengrastee auf die Haut gerieben ist ein guter Anti-Mückenschutz). Ich steige auch mutig über jede Kakerlake, freue mich über Monsterspinne (gefühlte 3 Meter Durchmesser – ohne Beine) vor meinem Badfenster, da sie mir die Mücke wegfrisst und bin froh darüber, dass es hier in der Gegend keine Schlangen gibt. Im Dschungel hinterm Haus möchte ich allerdings nicht als Katze rum laufen, die traut sich da wahrscheinlich nicht ohne Grund nicht rein. Es gibt Raubkatzen (die kleine Katzen fressen), Adler (die ebenfalls kleine Katzen zum fressen gern haben), Ameisenbären und sonstiger tropischer Krams. Außer Papageien aus der Ferne und irgendeinem komischen lokalen Huhn, habe ich bisher leider noch nichts exotisches gesehen. Aber ich habe heute morgen am Strand eine riesengroße Muschel gefunden, wie man sie sich sonst nur an Karibiksträndene vorstellt. Ohh, da bin ich ja.
Das Meer und die Insel überhaupt, haben sich heute endlich auch mal so präsentiert, wie man das von den Postkarten kennt. Zwei, Drei Schäfchenwolken an strahlend blauem Himmel mit türkisfarbenden, klaren Meer. Während meines Morgenspazierganges (naja, ein biserl bin auch gejoggt) am Strand, habe ich mich darüber gewundert, was denn die Leute mit ihren Quods hier kurz an den Strand gefahren sind und dann wieder weg und dass an mehreren Stellen, den Spuren nach zu urteilen. Irgendwann leutete es mir ein, dass das keine Spuren eines Autos waren, obwohl sie riesig waren. Es ist gerde Laichzeit von Leatherback-Schildkröten. Diese Viecher müssen riesig sein. Und bald werden die Mini-Schildkröten schlüpfen, hoffentlich sehe ich welche und kann dann davon ein Foto machen.
So weit erstmal zum Stand der Dinge. Meine Zeit werde ich mir hoffentlich abwechslungsreich vertreiben können. Ich bin schon auf der Suche wie blöd nach jemanden, der mich zum Wakeboarden mitnehmen kann. Die Leute, mit Boot, die regelmäßig fahren sind bloß leider auf unbestimmte Zeit in den USA gefahren (ich hab hier hauptsächlich nur mit Amis zu tun. Nur in einem Nachbarhaus wohnen Niederländer). Am Dienstag werde ich meine erste Englisch-Stunde in der Dorfschule geben. Ich habe 20 Kinder, zwei Mal die Woche zu unterrichten. Die Kinder sind zwischen der 1. Und 6. Klasse mit den denkbar schlechtesten Vorraussetzungen. Ein Junge (ich habe die Klasse bereits kennen gelernt) ist letzte Woche „eingeschult“ worden und hat glaube ich das erste Mal in seinem Leben einen Stift in der Hand gehalten. Die Kinder sind alle von der Urbevölkerung der Insel und leben – im Gegensatz zu den ganzen Amis, die sich hier niedergelassen haben- unter sehr einfachen Verhältnissen. Teilweise haben die Kinder nicht mal genug zu Essen. Die Bleistifte sind nur ein Stummel und der einzigen Lehrerin stehen gerade mal Tafel und Kreide zur verfügung. Jede Kopie muss sie aus eigener Tasche bezahlen. Ich bin sehr gespannt wie das nächste Woche wird. Die Stunde habe ich bereits vorbereitet. Mit den ersten beiden Klassen werde ich die Farben lernen und mit den anderen Körperteile (das hat die Lehrerin angefangen und ich mach es weiter). Mein Plan ist es aber, die Kinder ein wenig zu indoktrinieren. Es ist auch in dieser Gegend üblich Schildkröteneier zu essen. Deswegen möchte ich gerne eine Einheit über Schildkröten machen, wie sie leben und so und warum man deren Eier nicht essen sollte (über didaktische und methodische Hinweise bin ich sehr erfreut und sind gerne an meine email Adresse zu richten).
Ansonsten gibt es hier noch ein Institut (Smithonian irgendwas) die sich mit Meeresbiologie und Umweltschutz auseinander setzen und immer über freiwillige Helfer erfreut sind. Bei denen werde ich hoffentlich auch volunteeren können. Desweiteren habe ich noch viele Bücher und DVDs zur verfügung und ich hoffe es werden noch ein Couch Surfer vorbei kommen. Wie vermutlich zu erkennen ist, versuche ich alles, um nicht an Einsamkeit zu sterben (meine größte Angst). Die ganzen Leute die mir hier vorgestellt wurden, waren alle super nett und haben alle gesagt, dass ich mich im Notfall immer an sie wenden könne und mir „Good Luck“ gewünscht, aber niemand schien wirklich daran interessiert zu sein mich zu unterhalten. Nicht mal das Surferpärchen, die drei Häuser weiter Housesitting machen und in meinem Alter sind (der Rest sind alles (Früh-) Rentner).
Ich bin sehr gespannt auf alles was kommt. Meinen Rückflug werde ich die nächsten Tage umbuchen, auf Ende Juli und dann nochmal zwei Tage New York dran hängen.

Ich habe im Moment ein wenig das Gefühl, in den luftleeren Raum zu schreiben. Liest das hier jemand? Ich freue mich ganz dolle über Rückmeldungen und Nachrichten was bei euch so geht.

Alles Liebe

1 Kommentar:

  1. Kein Luftleerer Raum meine Süße ;-)
    Ich bin immer bei Dir... verfolge Dich auf Schritt und Tritt... naja, also digital halt, newahr!
    Kriegst gleich mal ne email mit meinem Statusbericht.
    Ach ja: Wenn Du mir n Ticket spendierst, komm ich Dir gern Gesellschaft leisten!!!

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